Der Bundesverband als Selbsthilfeorganisation und gemeinnütziger Verein

Liebe Mitglieder, liebe Internet-User,
in letzter Zeit wird zunehmend die Frage an uns herangetragen: „Was habe ich eigentlich von einer Mitgliedschaft? Was macht der Verband für mich, was ich nicht auch haben würde, ohne Mitglied zu sein?“ Deshalb hat der Vorstand sich vermehrt Gedanken zur künftigen Ausrichtung des Verbandes gemacht. Grundlage aller Überlegungen sind die Vorgaben, die uns der Zweck des Verbandes als Selbsthilfeorganisation und als gemeinnütziger Verein vorgibt. Grenzen setzen uns die personellen und finanziellen Möglichkeiten.

Gemeinnützigkeit

Lassen Sie uns zunächst die Aspekte der Gemeinnützigkeit betrachten: Die Gemeinnützigkeit einer Körperschaft ist in § 52 der Abgabenordnung (AO) definiert: „Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.“
Es kann also nicht darum gehen, dem einzelnen Mitglied einen bestimmten Vorteil zu sichern. Im Gegenteil sind die Möglichkeiten der Mittelverwendung und Zuwendungen an Mitglieder streng beschränkt. Also orientieren wir uns an dem Vereinszweck, der in unserer Satzung festgelegt ist und den der Verband seit mehr als 40 Jahren verfolgt:
1. Interessenvertretung von Kindern und Erwachsenen mit Skoliose oder anderen Wirbelsäulenerkrankungen;
2. Aufklärung der Öffentlichkeit über Wirbelsäulenerkrankungen sowie der Möglichkeiten ihrer frühzeitigen Erkennung und Behandlung;
3. Förderung der Rehabilitation von Wirbelsäulengeschädigten, insbesondere durch Gesprächs- und Sportangebote;
4. Förderung der Erforschung von Erkrankungen der Wirbelsäule durch den Fachbeirat;
5. Beobachtung und Förderung auch der im In- und Ausland geführten Wirbelsäulenforschung;
6. Information Wirbelsäulenerkrankter im In- und Ausland.

Selbsthilfe

Wenn man im Internet nach dem Begriff „Selbsthilfe“ sucht, so wird er als Zusammenschluss von Betroffenen und Angehörigen zum Informations- und Meinungsaustausch, der praktischen Lebenshilfe sowie der gegenseitigen emotionalen Unterstützung und Motivation charakterisiert. Darüber hinaus vertreten Selbsthilfegruppen in unterschiedlichem Grad die Belange ihrer Mitglieder nach außen. Dies reicht von Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über die Unterstützung von Forschungsprojekten bis hin zur politischen Interessenvertretung.
Auch hier geht es also nicht um Vorteile ausschließlich für die Mitglieder, auch wenn diese vielleicht an erster Stelle von den Aktivitäten der Selbsthilfegruppen profitieren, sondern um die Unterstützung aller Betroffenen.

Aktivitäten des Verbandes

Aber was macht nun der Bundesverband Skoliose-Selbsthilfe e. V. konkret? Diese Frage finden Sie u. a. in der Verbandszeitschrift 1.2014 beantwortet:
-  Der Verband ist über seine Dachverbände und durch eigene Delegierte in wichtigen Gremien, wie z. B. dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, vertreten und bringt hierüber die Belange der Betroffenen auf einer der höchsten gesundheitspolitischen Ebenen vor.
-  Der Verband bemüht sich in Zusammenarbeit mit dem Fachbeirat, die Versorgung von Skoliosepatienten durch kontinuierliche Thematisierung qualitätssichernder Behandlungsstandards zu verbessern.
-  In Kooperation mit dem Fachbeirat und anderen Ärzten werden Informationsbroschüren rund um das Thema Skoliose erarbeitet und veröffentlicht. Auch der Lichtblick informiert über neue Entwicklungen in der Medizin und im Gesundheitswesen.
-  Einmal im Jahr wird ein Skoliosetag organisiert, an dem medizinische und sozialrechtliche Fachvorträge gehalten werden und die Mitglieder und Gäste Zeit für einen Informations- und Erfahrungsaustausch mit Betroffenen und ihren Angehörigen aus dem gesamten Bundesgebiet haben.
-  Die Selbsthilfegruppen organisieren vor Ort Gymnastikkurse, Fachvorträge, Treffen, die einen lockeren Austausch ermöglichen u.v.m. und nehmen mit Informationsständen an Selbsthilfetagen u.ä. teil, um die Öffentlichkeit zu informieren.
-  Die Geschäftsstelle steht für Informationen und Fragen werktäglich zur Verfügung.
-  Durch Kooperationen mit Dienstleistern (z. B. einer Rechtsanwaltskanzlei) können den Mitgliedern günstigere Konditionen vermittelt werden.
Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

Fazit

Geht man allein vom Begriff der Gemeinnützigkeit und von unserem Vereinszweck aus, so muss man konstatieren, dass es dem Verband aufgrund dieser Rahmenbedingungen nicht möglich ist, seinen Fokus auf den persönlichen Vorteil der Mitglieder aus der Mitgliedschaft zu richten. Vom Verband erarbeitete Vorteile kommen vielmehr in vielen Fällen allen Betroffenen – ob Mitglied oder Nicht-Mitglied – zugute.
Dass Selbsthilfe wirkt, ist nicht nur Wunschgedanke einer Kampagne unseres Dachverbandes BAG SELBSTHILFE mit dem Ziel, sich vom Image des „händchenhaltenden Stuhlkreises“ zu lösen. Es ist vielmehr wissenschaftlich belegt, dass der gegenseitige Austausch in der Selbsthilfe die Lebensqualität vieler chronisch kranker und behinderter Menschen verbessert und damit einen wesentlichen positiven Beitrag für das gesamte Gesundheitssystem leistet. Auch diese Vorteile kommen Mitgliedern wie Nicht-Mitgliedern fast gleichermaßen zugute.
Beließe man es bei dieser Feststellung, so wäre dies allerdings eine Bankrotterklärung an den Gedanken der Gemeinnützigkeit und der Selbsthilfe. Denn die Tätigkeit des Verbandes ist nur mit der finanziellen und auch persönlichen Unterstützung seiner Mitglieder möglich. Solange es Menschen wie unsere Mitglieder gibt, die bereit sind, sich auch im Interesse anderer Betroffener persönlich oder finanziell zu engagieren, ohne einen direkten Vorteil hieraus zu erlangen, kann es auch einen Verband geben, der dem Einzelnen mit Rat und Tat zur Seite steht und für die Berücksichtigung der gebündelten Interessen der Betroffenen im Gesundheitswesen kämpft. Der direkte Vergleich mit anderen Verbänden auf dem Gebiet der Gesundheitssorge zeigt außerdem, dass der Einfluss in der Gesundheitspolitik umso größer ist, je mehr Mitglieder ein Verband aufweisen kann.
Kommt man zurück auf die Ausgangsfrage – „Was macht der Verband für mich?“ –, so möchten wir nach all diesen Überlegungen die Gegenfrage stellen:
Wie kann der Verband in den Grenzen, die uns die Grundsätze der Gemeinnützigkeit und der Selbsthilfe auferlegen, für Mitglieder attraktiver werden?
Welche Angebote könnten wir versuchen aufzugreifen, die mit den Grundsätzen der Gemeinnützigkeit und der Selbsthilfe im Einklang stehen und die mit den vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen umsetzbar sind?
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie, liebe Mitglieder und Interessierte, uns Ihre Ideen und Meinung hierzu mitteilen würden. Bitte treten Sie mit uns in Kontakt, damit wir gemeinsam den Verband für die Zukunft rüsten können.

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich,
Ihre Katja Plückelmann