Der Skoliosetag des Bundesverbandes Skoliose findet einmal jährlich am Veranstaltungsort der Mitgliederversammlung statt. Am Skoliosetag können im Rahmen der Möglichkeiten auch Interessenten teilnehmen, die nicht Mitglied unseres Verbandes sind.
Der nächste Skoliosetag ist für den 21. September 2019 in Lüneburg vorgesehen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Vorträge am 10. Skoliosetag, Nürnberg, 22. September 2018

Wir veröffentlichen hier die Kurzfassungen aus dem Tagungsheft des Skoliosetages.


1. Faszientherapie trifft Skoliose
Referentin: Larissa Grassmann, Physiotherapeutin
Faszien Atelier, Nürnberg

Der Schlüssel für eine schmerzfreie und aufrechte Wirbelsäule liegt in der Kraft der geheimnisvollen, weißen Bänder unter der Haut. Skoliose hat ihr Krummsein satt! Sie möchte sich endlich schön fühlen, gerade sein und ohne Schmerzen leben. Dazu braucht sie jemanden, der Ihr Halt gibt und sie aufrichtet. Sie schlüpft in ihr bestes Korsett und verabredet sich mit gutaussehenden Muskeln und spießigen Knochen. Doch schon bald merkt sie, dass Muskeln anstatt zu halten, sie eher erdrücken und Knochen einfach totlangweilig und spaßbefreit sind. Sogar unters Messer hat sie sich schon gelegt, um endlich Frieden mit ihren Kurven zu schließen. Frustriert schleudert sie ihr Korsett in die Ecke und holt erst mal tief Luft. Das bringt doch alles nichts! Als sie die Hoffnung schon aufgibt, hört sie eines Tages von dem neuen, smarten Superstar in der Körperwelt. Anschmiegsam, stark und kommunikativ soll er sein. Die Faszie. Sollte das etwa der ideale Partner sein, auf den sie so lange gewartet hat? Voller Neugierde verabredet sie sich zu einem Blind Date – und ist maßlos enttäuscht: Dieser unscheinbare, langweilige Typ, soll die Antwort auf all ihre Probleme sein? Wieso wird der gehandelt als ob er den Nobelpreis gewonnen hätte? Was kann diese Faszie ihr bieten, was die anderen ihr nicht bieten können?
Die Faszie macht sie auf etwas Wesentliches aufmerksam: Das Geheimnis der Leichtigkeit steckt im muskulären Bindegewebe, weil dieses für den inneren Halt und die äußere Form zuständig ist. Die richtige Kombination aus Atmung, Muskeltraining und Faszientherapie unterstützt die Wirkung der oft notwendigen Korsetttherapie. Die Stärkung eines positiven Körpergefühls steht dabei im Vordergrund. Dadurch kann in vielen Fällen eine deutliche Schmerzverringerung erzielt werden.
In der Therapie öffnen sich neue Türen: Spaß und Neugierde geht vor Leistungs- und Perfektionsanspruch. Erst dann wird die Formveränderung der Wirbelsäule zum Kinderspiel.


2. Welche Rechte habe ich als Patient?
Ansprüche auf Heil- und Hilfsmittel, Zweitmeinungen, Verfahrenshinweise
Referent: Andreas Wecks, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Sozialrecht, Nürnberg

Versorgungsamt: Widerspruch und Klage
Mein Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung oder der Antrag auf Höherstellung des „GdB“ wurde abgelehnt.
Reha: Widerspruch und Klage
Mein Reha-Antrag ist abgelehnt. Was mache ich? Meine Reha ist bewilligt, aber ich bin einer Klinik zugewiesen, die sich mit Skoliose nicht auskennt. Kann ich mich dagegen wehren?
Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln: Widerspruch und Klage
Die Krankenkasse hat meinen Antrag auf langfristige Genehmigung der Physiotherapie abgelehnt. Was kann ich tun? Die Krankenkasse ist nicht bereit, die Kosten für ein neues Korsett zu übernehmen. Mein Orthopäde ist nicht bereit, mir Physiotherapie zu verschreiben. Habe ich Anspruch darauf? Hier: Schlichtung/Vermittlung
Krankenkassen: Genehmigungsfiktion – ein kurzes Verfahren
Nach mehr als 3/5 Wochen ist mein Antrag immer noch nicht entschieden. Was kann ich tun?
Zweitmeinung:
Kann ich mir vor der Operation, die mein Orthopäde empfohlen hat, eine Zweitmeinung einholen?
Patientenakte:
Habe ich Anspruch darauf, dass mir meine Röntgenbilder/Befunde/Messwerte ausgehändigt werden?


3. Depression durch Skoliose?
Anzeichen und Behandlung
Referent: Dr. Bernhard Hain, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie
Fürst-Sitrum-Klinik, Bruchsal

Es werden die Einfluss-Faktoren für die Entstehung einer depressiven Erkrankung im Allgemeinen und bei Menschen mit Skoliose im Besonderen vorgestellt. An Hand von Zahlen der Krankheits-Inzidenz werden die besonderen Risiko-Faktoren bei Menschen mit Skoliose, insbesondere chronischer Schmerz, Stigmatisierung und Selbst-Stigmatisierung eingeschätzt. Möglichkeiten der Früh-Erkennung depressiver Symptome werden an Hand der wichtigsten Marker-Symptome und mit Hilfe von Symptom-Skalen dargestellt.
Günstige und ungünstige Coping-Mechanismen für Depression, Chronischen Schmerz und Stigmatisierung eröffnen Möglichkeiten der Krankheits-Prophylaxe. Die Bedeutung psychotherapeutischer und unterstützend medikamentöser Behandlungswege wird aufgezeigt.


4. Skoliose-OP
Was wird gemacht und was erwartet den Patienten?
Referenten: Prof Dr. Heiko Koller, Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie Vogtareuth, er wurde vertreten durch Priv.-Doz. Dr. Michael Mayer,
Dr. Klaus Schnake, Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie Fürth

Wird eine Skoliose beim Kind diagnostiziert, bestehen die konservativen Behandlungsgrundlagen in der Einleitung einer Schulung der Eltern und des jungen Patienten, Physiotherapie, Ausschluss und ggf. Anpassung von Einlagen bei Beinlängendifferenzen und Festlegen eines fachärztlichen Observationsplans. Werden bei höhergradigen Krümmungen bereits Risikofaktoren für ein Fortschreiten definiert, dann kann die Korsett-Therapie notwendig sein. Sie dient dazu, die Skoliose initial partiell zu korrigieren und diese reduzierte Krümmung während des Wachstums bis zum Wachstumsabschluss zu halten. Ziel hierbei ist, die operative Therapie zu umgehen oder bei sehr jungen Patienten hinauszuzögern. Der Effekt der Korsett-Therapie ist bei richtiger Anwendung und guter Mitarbeit von Patient und Familie wissenschaftlich bewiesen.
Bei progressiven höhergradigen Skoliosen kann die operative Therapie notwendig sein. Ziel ist die Korrektur der Skoliose, das Aufhalten der Progredienz und die Wiederherstellung einer guten Balance und Kosmetik. Als Korrekturoperationen kommen dorsale und ventrale Verfahren zum Einsatz. Durch in die Wirbelkörper eingebrachte Schrauben in Verbindung mit Stäben können in geübter Hand beträchtliche Korrekturen einer Skoliose sicher erreicht werden. Bei schweren und hochgradigen Skoliosen kommen auch in Kombination Verfahren von hinten und vorn an der Wirbelsäule zum Einsatz. Je ausgeprägter die Skoliosen werden und je rigider (d.h. je eingesteifter) sie bereits sind, umso größer wird der operative Aufwand einer Skoliosekorrektur.
Beispiele operativ behandelter Fälle werden anhand ihrer Indikationen und Ergebnisse ausführlich diskutiert. Eine Besonderheit sind die mitwachsenden Stäbe, die bei Kindern eingesetzt werden können. Die Stäbe werden mittels Magneten ohne eine neuerliche Operation regelmäßig verlängert, um ein anhaltendes Wachstum der Wirbelsäule zu gewährleisten.