Der Skoliosetag des Bundesverbandes Skoliose findet einmal jährlich am Veranstaltungsort der Mitgliederversammlung statt. Am Skoliosetag können im Rahmen der Möglichkeiten auch Interessenten teilnehmen, die nicht Mitglied unseres Verbandes sind.
Der nächste Skoliosetag ist für den 22. September 2018 in Nürnberg vorgesehen.

10. Skoliosetag und Jugendtag 2018

Beide Veranstaltungen finden parallel am 22. September in Nürnberg statt.
Veranstaltungsort ist das NOVINA-Hotel, Südwestpark 5, 90449 Nürnberg.
Am 10. Skoliosetag können im Rahmen der Möglichkeiten auch Interessenten teilnehmen, die nicht Mitglied des Bundesverbandes sind. Hier können Sie die Tagesordnung des Skoliosetages (PDF-Datei) und die Tagesordnung des Jugendtages (PDF-Datei) herunterladen.
Zur Anmeldung an einer dieser Veranstaltungen benutzen Sie bitte unser Anmeldeformular (PDF-Datei).
Die Einzelheiten zur Anmeldung an unseren Veranstaltungen haben wir hier zusammen gestellt (PDF-Datei).
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Vorträge, die am 9. Skoliosetag in Bochum am 23. September 2017 gehalten wurden

Wir veröffentlichen hier die Kurzfassungen aus dem Tagungsheft des Skoliosetages.

 1. Langzeiterfahrung mit operierten Skoliosen
Was wird aus meinem Rücken nach 30 Jahren?

Referentin: Prof. Dr. med. Viola Bullmann, Chefärztin Wirbelsäulenchirurgie/Orthopädie II
Stellvertretende Ärztliche Direktorin, St. Franziskus-Hospital, Köln

Die operativ instrumentierte Therapie der Skoliose hatte ihre Ursprünge in den sechziger Jahren implementiert durch Paul Harrington. Damals gelang es, die Skoliose mit Hilfe eines Implantates, welches oberhalb und unterhalb der Krümmung verankert wurde, auseinanderzuziehen und so zu fixieren.
Neben der Korrektur der Skoliose hatte das Auseinanderziehen den Nachteil, dass im seitlichen Profil der Rücken abflachte. Diese Abflachungführte im Verlauf „nach ca. 30 Jahren" vermehrt zu Anschlusssegmentverschleißproblemen, die letztendlich mit Rückenschmerzen und einer geringeren Belastung einhergehen.
Auch heutzutage leiden noch viele der damals operierten Patienten unter dem sogenannten „flat back syndrome“. Die Technik verbesserte sich im weiteren Verlaufdurch Weiterentwicklungen operativer Verfahren vom seitlichen Zugang durch Klaus Zielke (1975), aber auch vom hinteren Zugang durch Yves Cotrel und Jean Dubousset (1984), in denen erstmalig eine dreidimensionale Korrektur der Skoliose erreicht werden konnte. Bis zum heutigen Tag erfolgen Weiterentwicklungen in der operativen Therapie, um Langzeitprobleme möglichst gering zu halten.
Die Frage „Was wird mit meinem Rücken nach 30 Jahren?“ lässt sich für die heutige Generation somit folgendermaßen beantworten: Die Probleme von Anschlussdegenerationen konnten durch die technische Verbesserung der Implantate und der Skolioseoperationen nicht eliminiert, aber deutlich verringert werden.

 2. Röntgen, EOS und 3-D-Vermessung
Möglichkeiten und Grenzen. Chancen und Risiken

Referent: PD Dr. med. Jan Siewe, Oberarzt, Leiter Wirbelsäulenorthopädie
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Köln

Neben der Anamnese und klinischen Untersuchung stellt die Bildgebung das wichtigste Instrument bei der Diagnose, Verlaufs- und Therapiekontrolle von Skoliosen dar. Das Röntgen in Form einer Wirbelsäulenganzaufnahme in 2 Ebenen stellt dabei noch immer den Goldstandard dar.
Sie ist flächendeckend und kostengünstig verfügbar und erlaubt die Bestimmung des für die Therapie wesentlichen Cobbwinkels. Auch basieren die gebräuchlichen Klassifikationssysteme der idiopathischen Skoliose auf der projektionsradiographischen Morphologie. Neben dem Röntgen steht dem Behandlerjedoch heutzutage eine Vielzahl an verschiedenen bildgebenden Modalitäten zur Verfügung.Zudem hält mit dem E05 in den letzten Jahren eine innovative und vielversprechende Methode zunehmenden Einzug in die Diagnose der Skoliose.
Die einzelnen Verfahren haben unterschiedliche Indikationen und Stellenwerte, es sollen hier die wichtigsten vorgestellt werden. Im Einzelnen abgehandelt werden das konventionelle bzw. digitale Röntgen, das E0S, die Rasterstereographie, die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Einsatzgebiete und beleuchtet Vor- und Nachteile sowie Limitationen der einzelnen Verfahren.
Anhand einer selektiven Literaturrecherche soll dem Auditorium zudem ein Überblick über neuere Entwicklungen und Studienergebnisse gegeben werden

 3. Medical Taping
Möglichkeit der unterstützenden (Schmerz-)Behandlung von Skoliosen?

Referentin: Christina Peter, Sportphysiotherapeutin
Enschede (NL)

Für mich alsTherapeutin ist das Tapen eine wichtige Zusatz-Behandlungsmöglichkeit geworden, die aus meinem Praxisalltag nicht mehr weg zu denken ist. Die in den 1970erjahren entwickeltejapanische Methode fand schnell Anhänger, die sich diese Methode zu eigen gemacht haben, Eine Folge war, dass immer mehr Möglichkeiten entdeckt wurden.
Neue Techniken und Ergänzungen folgten einander im schnellen Tempo. So entstanden also neue Behandlungsmethoden, wie „Medical Taping", „Lymph Taping", „Meridian Taping" und „Cross Taping". Alle diese Methoden sind daraufhin in das Medical Taping Concept zusammengefasst werden.
Idealerweise wird das Tapen in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt. Auch wenn es zurzeit noch wenige wissenschaftliche Beweise gibt - meine persönlichen Erfahrungen und die vieler anderer Anwender bestätigen mein tägliches Handeln immer wieder aufs Neue. So dürfte auch der eine oder andere Kritiker durch die langjährige Erfolgsgeschichte des Tapings mittlerweile überzeugt worden sein.
In meinem Vortrag möchte ich ein wenig über das Hintergrundwissen informieren, das notwendig ist, um ein Tape wirkungsvoll und effektiv anzulegen und welche Resultate damit zu erzielen sind, Ausgewählte Tapetechniken können einen Einfluss auf die Faszienspannung haben, dadurch eine Tonusnormalisierung hervorrufen und zu einer Veränderung in der Stabilitätslinie führen. Häufig erscheint auch die Tapetechnik hilfreich als Zusatzverwendung im Bereich der Skoliose zu sein.

 4. Skoliose und Osteoporose - Verhängnisvolle Wechselwirkung
Anm.: Prof. Dr. med, Andreas Kurth, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie an der Asklepios Klinik Birkenwerder, konte seinen geplanten Vortrag nicht halten. Dr. Jozef Colemont, BVS-Fachbeirat, hat ihn freundlicherweise mit einem Stegreif- Vortrag zum gleichen Thema würdig vertreten.

Wir veröffentlichen hier den Kurzfassung des Vortrages von Prof. Kurth aus dem Tagungsheft:

Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels, die sich aufdie Funktion und die Stabilität des Knochens negativ auswirkt. Übersetzt bedeutet es "poröser Knochen", oder "Knochenschwund". Doch, was ist die Ursache und was passiert in unserem Körper? Unsere Knochen sind kein totes, unveränderbares Gewebe. Knochen unterliegen der Biologie und werden fortwährend umgebaut. Gealterter Knochen wird abgebaut und neuer Knochen aufgebaut. Ist dieses komplizierte Zusammenspiel, z.B. durch Östrogenmangel, gestört, kann es zu einem verstärkten Abbau von Knochensubstanz kommen - der Knochen verliert an Material und wird damit anfälliger für Brüche.
In Deutschland leiden mehr als sechs Millionen Menschen an einer Osteoporose. Genau lässt sich das jedoch nur schwer sagen, da die Krankheit häufig unerkannt bleibt. Frauen erkranken insgesamt häufiger als Männer, aber auch diese sind nicht davon verschont. Besonders gefährdet sind sie nach den Wechseljahren, denn ein niedriger Östrogenspiegei wirkt negativ auf den Knochenstoffwechsel und Knochen wird abgebaut. Osteoporose tut nicht weh, aber es kann zu Brüchen kommen, die gerade im Alter schwierig zu behandeln sein können.
Ist der Knochen einmal abgebaut, kann er nur begrenzt wieder aufgebaut werden. Deshalb ist es besonders wichtig, Osteoporose früh zu diagnostizieren, und dann schnell und korrekt zu behan deln. Damit kann dem beschleunigten Abbau gezielt entgegengewirkt werden.

Gibt es Zeichen für eine Osteoporose?
Knochenbrüche nach kleineren Stürzen und Unfällen

Diese „niedrig-energetischen“ Knochenbrüche, ohne echtes Unfallereignis, sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Stabilität der Knochen nicht mehr ausreicht, um alltäglichen Belastun- gen standzuhalten.
Abnahme der Körpergröße
Größenverlust im Alter ist üblich. Übersteigt der Körpergrößenverlust aber vier Zentimeter, können unentdeckte osteoporotische Wirbelkürperbrüche die Ursache sein. Nur ein Drittel aller Wirbelkörperbrüche, als Folge von Osteoporose, werden diagnostiziert, denn sie verursachen häufig kaum Beschwerden. Rückenschmerzen kommen häufig vor und es wird ihm dadurch oft keine gravierende Bedeutung beigemessen.
Frakturen Das „typische“ Symptom der Osteoporose ist der Bruch des Knochens z.B. der Wirbelkörper, des Unter und Oberarms, des Beckens und Oberschenkelhalses. Die Hüftfraktur tritt in Deutschland ca. 150 000 Mal aufund kann weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Patienten haben.
Kombination mehrerer Risikofaktoren
Hohes Lebensalter ist einer der größten Risikofaktoren für das Auftreten einer Osteoporose. Der Dachverband Osteologie empfiehlt daher allen Frauen ab 70 und Männern ab 80 Jahren einen Osteoporose-Check. Kommen mehrere Risikofaktoren wie etwa Bewegungsarmut. Untergewicht, Nikotinkonsum, Einnahme von kortisonhaltigen Medikamenten, oder bei Frauen ein verfrühter Eintritt der Wechseljahre zusammen. sollte man sich früher untersuchen lassen.

So wird Osteoporose diagnostiziert:
Um zu prüfen, ob tatsächlich eine Osteoporose vorliegt. macht sich der Arzt im Gespräch als Erstes ein Bild über die Vorgeschichte des Patienten. Dabei fragt er zum Beispiel nach Knochenbrüchen, Bewegungseinschränkungen, Rückenschmerzen, Ernährung und körperliche Aktivität. Abschließend sollte die Knochendichte mithilfe bildgebender Verfahren gemessen werden. Diese Verfahren werden unter dem Begriff Osteodensitometrie zusammengefasst.
Der „goldene Standard“ ist das DXA-Verfahren
Die DXA- oder DEXA-Methode ist ein Niedrigdosenröntgenverfahren, das sehr verlässliche Ergebnisse zur Knochendichte liefert und daher als Goldstandard in derOsteoporose-Diagnose gilt. Für den Patienten unterscheidet sich die Messung nicht von einer ganz normalen Röntgenuntersuchung, die an Hüfte oder Lendenwirbelsäule durchgeführt wird. Sie ist schmerzfrei, und kommt mit einer geringen Strahlendosis aus. Gerade beim Vorliegen einer Skoliose kann die Knochendichte schwierig zu bestimmen sein. Dann sollten die Hüften gemessen werden oder aber sogar ein CT Knochendichteverfahren zur Anwendung kommen.
Was kann ich tun?
Durch eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils können Krankheits- verlauf und Beschwerden durch Osteoporose positiv beeinflusst werden.
Knochengesunde Ernährung:
Kalzium ist der wichtigste Knochenbaustein. Um ausreichend mit dem Mineralstoff versorgt zu sein, empfiehlt es sich, auf Milchprodukte, grünes Gemüse und kalziumreiches Mineralwasser zurückzugreifen. Was man beachten sollte: Es gibt einige Lebensmittel, die sich negativ auf den Kalziumhaushalt im Körper auswirken, zum Beispiel Cola oder Wurst. Damit der Körper das Kalzium über den Darm aufnehmen kann, braucht er Vitamin D. Die Versorgung über die Ernährung ist nicht ganz einfach, denn nur sehr wenige Nahrungsmittel, zum Beispiel fetter Fisch, Ei oder Butter, liefern das Vitamin D. Unter Einfluss von Sonnenlicht kann der Körper aber einen Großteil des täglichen Bedarfes in der Haut selbst bilden. Trotzdem sollte Vitamin D. gerade in den Wintermonaten ohne Sonnenschein, ergänzt werden. 1000 mg gesamt (Nahrung und Ergänzungsmittel) Kalzium und 1000 internationale Einheiten Vitamin D tgl. werden durch die Leitlinien empfohlen.
Muskel und Knochen stärken
Studien zeigen, dass eine andauernd niedrige Belastung des Bewegungsapparates, zum Beispiel bei Bettruhe. zu einem Verlust an Knochenmasse und einer Verminderung der Knochenfestigkeit führt. Dagegen ist eine gesteigerte Belastung mit einer Zunahme der Knochenmasse und einer Steigerung der Festigkeit verbunden. Sportarten, die mit Gewichtsbelastung, Richtungswechseln und Sprüngen verbunden sind, tragen dabei am ehesten zur Erhöhung der Knochendichte bei, Da diese Sportarten aber bei einer vorliegenden Osteoporose mit einem erhöhten Verletzungsrisiko gepaart sind, sollten Patienten mit nachgewiesen geringer Knochendichte Sportarten wie etwa Walking oder moderates Krafttraining bevorzugen.
Medikamente:
Wenn das Risiko für einen Knochenbruch zu hoch ist. dann sollte eine aktive medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Verschiedene Wirkprinzipien können entweder den Knochenabbau stoppen oder den Knochenaufbau stimulieren. Durch eine Erhöhung der Knochendichte wird das Risiko für einen Knochenbruch geringer.