Carolin

Name:  Carolin Reuschel
geboren:  1985
Beruf:  Lehrerin
Hobbys:  Sport (vor allem Tennis und Gymnastik), Musik
Wohnort: Offenau (Ba-Wü)

Wie alles begann:
Sommer 2000: Meine Mutter, selbst an der Wirbelsäule operiert, stellte bei mir eine Skoliose fest. Damals war ich 15. Vorher hat man nie etwas an meinem Rücken festgestellt, es kam ganz plötzlich, während eines Wachstumsschubes.
Wie ging es weiter:
Sofort sind wir zu einem Orthopäden gegangen, der sich auf Skoliose spezialisiert hat. Dieser verordnete mir ein Korsett, welches Anfang September angefertigt wurde - einen halben Monat, nachdem man meine Skoliose festgestellt hatte. Eine schwere und harte Zeit begann!
Wie ich durchhielt:
Zu Beginn musste ich mein Korsett 23 Stunden täglich tragen. Ich dachte nicht, dass ich mich jemals an dieses Ding gewöhnen würde. Doch nach einer Woche konnte ich es schon selbst an- und ausziehen. Aber: "Aller Anfang ist bekanntlich schwer!". Nach einem Monat konnte ich das Korsett rund um die Uhr tragen. Es wurde zu meinem ständigen Begleiter, ja sogar zu meinem Freund.
Was hat mir geholfen:
Im Dezember 2000 war ich das erste Mal in Bad Sobernheim. In den sechs Wochen dort lernte ich die Gymnastik nach Katharina Schroth und viele "Leidensgenossen" kennen. Im Februar 2002 war ich das zweite Mal dort und ich freute mich schon wahnsinnig darauf, im März 2003 wieder hingehen zu dürfen.
Wer hat mich unterstützt:
Meine Familie, besonders meine Mutter, die schon viele Jahre im Bundesverband für Skoliose tätig ist, stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite.
Was ich erreicht habe:
Meine Skoliose beträgt nur noch ca. 10 Grad von anfänglichen 34 Grad. Ich bin sehr stolz auf dieses Ergebnis.
Was ich machen will:
Das Mitwirken im Bundesverband machen mir sehr viel Spaß und es freut mich immer sehr, anderen Menschen helfen zu können. Nur durch eine konsequente Behandlung kann man das Schlimmste, in diesem Fall eine Operation, verhindern.
Wie es mir heute geht:
Manchmal denke ich "I'm a survivor...", ich habe es tatsächlich überstanden, und ihr werdet es auch schaffen. Heute gehe ich oft Tennis spielen oder mache Gymnastik. Ich denke, das Wichtigste bei einer Skoliose ist die Stärkung der körperlichen Fitness, vor allem der Rumpfmuskulatur. Die Art und Weise, wie man diese stärkt, ist jedem selbst überlassen. Ob durch Klettern, Lauftraining oder irgendeinen anderen Sport, muss jeder selbst herausfinden. Ihr merkt selbst am Besten, was euch gut tut und was nicht. Solange ihr euren Rücken im Blick habt, kann man verschiedene Sportarten ausprobieren.
Ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich sage: die Korsettzeit ist hart, und dass ein Korsett nicht das Alltertollste ist. Ihr dürft aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Korsettzeit befristet ist und dass es auf der Welt wirklich weit Schlimmeres gibt, als ein paar Jahre Korsett. Habt das immer im Blick! Wenn ihr diese Zeit durchhaltet, können euch eine Operation und somit lebenslange Beschwerden erspart bleiben.  

Katrin

Name:  Katrin Ruscher 
geboren:  1991
Beruf:  Studentin
Hobbys:  Lesen, Musik, Fremdsprachen
Wohnort:  Rottenburg am Neckar (Ba-Wü) 

                                                                                                                                                                      

Im Zuge einer Vorsorgeuntersuchung beim Neurologen wurde zufällig eine Skoliose bei mir festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt war ich 10 Jahre alt.
Daraufhin sind wir zu einem Orthopäden gegangen, der auf die Behandlung von Skoliose spezialisiert ist. Er hat die Diagnose bestätigt und mir aufgrund der geringen Krümmung (9° nach Cobb) Krankengymnastik verordnet.
Der zwischenzeitliche Aufenthalt in Bad Salzungen im Dez. 2003, bei dem ich auch die Gymnastik nach Katharina Schroth kennen lernte, hat mir geholfen, weil ich andere Jugendliche traf, die ebenfalls von Skoliose betroffen waren und noch immer sind.
So begann also meine Zeit als "Korsettträgerin"... Zu Beginn war es eine große Umstellung, vor allem die eingeschränkte Bewegungsfreiheit machte mir zu schaffen. Doch mit der Zeit wurde das Korsett fast wie eine zweite Haut, in der ich mich zunehmend wohl fühlte. Mittlerweile habe ich mein drittes Korsett und die aktuellen Röntgenaufnahmen ohne Korsett haben eine fast gerade Wirbelsäule gezeigt.
Was mir bisher geholfen hat und immer noch hilft, ist die tolerante Haltung, die mir in meinem Freundes- und Bekanntenkreis entgegengebracht wird.
Mein Rat an euch:
Ich weiss, dass es nicht gerade angenehm ist, ein Korsett zu tragen und ich kenne auch einige "Leidensgenossen", die Angst haben, über dieses Thema zu sprechen, weil sie sich davor fürchten, negative Reaktionen von ihren Bekannten/Klassenkameraden usw. zu bekommen.
Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, offen darüber zu reden, da die meisten Menschen, die weder Skoliose noch ein Korsett kennen, sich davor scheuen, Betroffene danach zu fragen und es somit leicht zu zu unangenehmen Situationen kommt. Ich habe in der Schule einen Vortrag über Skoliose gehalten. Deshalb versteckt euch nicht mit eurer Skoliose und dem Korsett, sondern macht den Leuten klar, dass ihr immer noch dieselbe Person seid, die sie ohne Korsett kennen gelernt haben.
Ich kann mir vorstellen, dass es vielen von euch, die das hier lesen, schwer fällt meinen Vorschlag anzunehmen, aber ich würde es euch nicht raten, wenn ich nicht voll und ganz davon überzeugt wäre. Auch wenn nicht alle positiv auf eure Offenheit reagieren (mir geht es da nicht anders), müsst ihr euch immer vor Augen führen, dass ihr das alles für eure Gesundheit tut und dass es immer Menschen geben wird, die zu euch halten.